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Yoga und Klettern als Spiegel unseres Selbst

Geposted von am

Von Gastautorin Vera

Es gibt wahrscheinlich für jeden Menschen eine Freizeitbeschäftigung, in der er voll aufgeht und die perfekt zu ihm passt. Es gilt nur, sie für sich zu finden.

Von etwas, das wir am Feierabend betreiben, erwarten wir, dass es authentisch ist, Spaß macht, vielleicht ein gutes Workout darstellt und zu uns passt.

Doch wer Yoga und Klettern ausprobiert hat, wird gemerkt haben, dass es uns noch viel mehr geben kann. Wir lernen Seiten an uns kennen, die wir noch gar nicht kannten. Vieles von dem, was zum Vorschein kommt, lässt sich direkt ins echte Leben übertragen.

Eine Praxis voller Widersprüche

Wir wollen am liebsten alles auf einmal: beruflich erfolgreich und gleichzeitig unabhängig sein. In einer glücklichen Beziehung und gleichzeitig frei sein. Die ganze Welt bereisen, aber ein Zuhause haben.

Umgeben von zahlreichen Gegensätzen straucheln wir auf der Suche nach Balance. Sowohl in der Yogapraxis als auch beim Klettern findet sich der Raum, all diese widersprüchlichen Gefühle und Gedanken auszuleben und mit ihnen umgehen zu lernen.

Nicht selten geben Yogalehrer*innen die Anweisung, ein Asana gleichzeitig kraftvoll und sanft auszuführen. Alle Muskeln anzuspannen, aber die Atmung locker fließen zu lassen. All die Gegensätze, die im Alltag so schwer vereinbar sind – im Yoga geht es plötzlich. Genauso verhält es sich beim Klettern. Man balanciert permanent zwischen den Polen, alles zu geben, um einen schwierigen Zug zu meistern, und Energie zu konservieren für den noch ausstehenden Teil der Route.

Aus der Komfortzone heraus

Trotz extravaganter Fotos in sozialen Medien sind die Yoga- und Kletterpraxis eigentlich etwas sehr Privates. Es kann richtig unbequem werden (ganz wie im echten Leben) – man fühlt sich mal unwohl, überfordert, und weiß nicht wohin mit diesen Gefühlen. Angst, Unsicherheit und Scheitern gehören zur Praxis dazu und müssen angenommen werden. Kein Yogaasana klappt von Anfang an, keine schwierige Kletterroute ist ohne Zweifel und Rückschritte zu meistern. Man trainiert seine mentale und physische Ausdauer und lernt, sich auch durch Unbequemlichkeit nicht abschrecken zu lassen.

Yoga und Klettern sind mehr als ein Hobby – sie repräsentieren ein Lebensgefühl!

Yoga umfasst viel mehr als die körperlichen Asanas, die man anfänglich kennenlernt. Meditation, Atemtechnik und eine mitfühlende, achtsame Lebensführung gehören ebenfalls dazu. Was man auf der Matte lernt, begleitet einen in den Alltag. Genauso ist Klettern auf den ersten Blick vielleicht nur etwas für Adrenalinjunkies, die ihren nächsten Kick suchen. Beim näheren Hinschauen entpuppt es sich als Sportart für Freigeistler*innen, die gerne eins mit der Natur sind, ihre eigenen Grenzen testen wollen und manchmal sogar unter Höhenangst leiden. Das Ausloten von Grenzen führt zu mehr Selbstsicherheit und einem besseren Körperbewusstsein.

Lernen, das eigene Ego loszulassen

Wie schon erwähnt kann es richtig ungemütlich werden beim Yoga und Klettern. Die Muskeln brennen, Versagensangst stellt sich ein, und das eigene Ego stichelt unermüdlich: „Wieso kannst du das nicht? Das ist doch ganz einfach.“ Kletterer*innen versuchen eine Route ohne Pause und Sturz durchzusteigen, Yogaschüler*innen hadern mit bestimmten Asanas, die sie endlich meistern wollen. Man spürt viel Erwartungsdruck  von außen, ohne wirklich benennen zu können, wo dessen Ursprung ist. Irgendwann fällt es einem auf: Man selbst ist es, der sich unter Druck setzt. In dem Moment, in dem man es schafft, das eigene Ego loszulassen und sich von der Erwartungshaltung zu lösen, da beginnt das wirkliche Kletter- und Yogaerlebnis. Da öffnet sich Raum, etwas zu schaffen, das man sich nicht erträumt hätte, da entsteht Höhe, um über sich hinauszuwachsen.

Unser eigener Spiegel

Die eigene Tagesform und das persönliche Befinden werden einem selten so deutlich vorgeführt wie in der Kletter- und Yogapraxis. In einer Phase von Umbruch und Veränderung ertappt man sich beim stärkeren Festhalten als nötig, an unbeschwerten Tagen gestalten sich Bewegungen hingegen mühelos leicht. Wenn gerade die Welt kopfsteht, fühlen sich Yogaumkehrhaltungen gerade richtig an, weil sie dieser Veränderung Raum geben. In Momenten der Unsicherheit hingegen können sich Balanceübungen als reine Tortur erweisen. Auch unterdrückte Gefühle und Gedanken, die man sich im Alltag nicht eingestehen konnte oder wollte, kommen plötzlich am Fels oder auf der Matte zum Vorschein und wollen wahrgenommen werden.

Warum denn nun das Ganze?

Warum sollte man sich ein solches Hobby überhaupt antun, welches einen permanent in unbequeme Situationen bringt? Es gibt viele Gründe, aber vielleicht gerade deshalb weil man lernt, Unbequemes auszuhalten, zu überwinden; feststellt, dass man viel stärker ist als gedacht. Hoch oben am Felsen oder allein auf der Yogamatte stellt sich plötzlich eine Stille ein, und alles scheint ganz klar und simpel.

Man ist bei sich, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Ganz im Moment.

Über die Autorin:

Vera ist eine durch die American Mountain Guide Association und International Yoga Alliance ausgebildete Kletter- und  Yogalehrerin und eine echte Globetrotterin.
Sie hat in den letzten zehn Jahren in verschiedenen Ländern weltweit gearbeitet, Yoga praktiziert, Klettergebiete erkundet und Retreats unterrichtet. 

In ihren Kletter-Yoga-Reisen bietet sie sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen die Möglichkeit, in die Besonderheiten und Techniken des Kletterns und Yogas einzutauchen und die eigenen Grenzen kennenzulernen und zu erweitern.

Neben kurzen Wochenendworkshops in Berlin habt ihr die Möglichkeit, sie auf ein Retreat in Mallorca, Laos oder Vietnam zu begleiten und Yoga und Klettern in einzigartigen und wunderschönen Gegenden zu praktizieren. 

Mehr Informationen und aktuelle Veranstaltungen von Vera findet ihr bei www.climb-om.com

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